Digitalisierungs-Triple I: ‚Kunstraum’

Im Rahmen des ersten Digitalisierungs-Triples hatten drei Künstler*innen bzw. Künstler*innengruppen die Chance in einer Laborsituation gemeinsam mit Expert*innen aus der Welt der Programmierung und Wissenschaft eine ihnen auf der künstlerischen Seele brennenden Fragestellung zum Thema Kunst und digitaler Raum zu erforschen.

Die ausgewählten Künstler*innen hatten jeweils ganz unterschiedliche Fragestellungen. Das Regieteam zweitereihe möchte eine virtuelle Figur erschaffen und mit Leben füllen, sowie ihre Interaktionen erarbeiten. Die Künstler*innengruppe virtuellestheater möchte einen virtuellen Raum/ein Interface kreieren, das es ermöglicht mit Kooperationspartner*innen aus verschiedenen geographischen Orten der Welt gemeinsam an einem Projekt zu arbeiten und dieses Arbeiten jenseits von Lifestream, Chatroom und Videoaufnahme für ein nicht real anwesendes Publikum verfügbar machen. Der Bühnenbildner Oliver Proske versucht ein System zu entwickeln, bei dem eine Kamera automatisch einen Performer oder eine Performerin verfolgt.


zweite reihe
zweite reihe ist ein freischaffendes Regieteam aus Berlin. Georg Carstens (Text & Regie), Justus Saretz (Ausstattung) und Berit Carstens (Dramaturgie) arbeiten seit 2008 kontinuierlich zusammen. Sie berufen sich auf die Tradition des Theaters, seine Stoffe immer wieder aus den zeitgenössischen Mythen zu gewinnen, umso die gegenwärtigen Verhältnisse in Frage zu stellen. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht die Verdichtung von Blockbustern, Fernsehformaten und Internetphänomenen zu gegenwärtigen Tragikomödien, Theaterserien und transmedialen Projekten. Ein Spagat zwischen Tränen und Lachen, Helene Fischer und Shakespeare, tiefer Scham und einem Happy End. Zurzeit mit "Mister Dynamit - Die Entführung ins Internet" gefördert vom Fonds Doppelpass der Kulturstiftung des Bundes in Kooperation mit dem Theaterhaus Jena.

Expert*innen:
Merle Leufgen (Kuratorin, Eventproduzentin und Computerkünstlerin)
Jens Kubiziel (Programmierer und Experte im Bereich IT-Sicherheit)


virtuellestheater
virtuellestheater hat sich 2015 aus sieben in Hamburg und Berlin lebenden und arbeitenden Künstler*innen gegründet. Es handelt sich um einen nomadischen Ort für Theaterproduktionen, der sich überall dort wo sich die Gelegenheit bietet manifestieren kann. virtuellestheater möchte Platz schaffen für subversive Kritik von Gegenwart, kulturelle Agilität und die Generierung eigenen Materials, von dem aus (performative) Produktionen entwickelt werden können. Dabei sollenkeine statischen Inszenierungen produziert werden. Vielmehr entstehen Arbeiten, die das konstellative und situative Potential eines Raumes ausnutzen und ausschöpfen können. Hierzu fragen sich die Mitglieder der Gruppe: Welche Performance bringt ein spezifischer Ort hervor? Oder: Wie verändert ein neuer Spielort oder andere Menschen unsere Performance? Wie beeinflusst er unsere Arbeit und unsere Art zu arbeiten? Bei seinen künstlerischen Forschungsprojekten greift virtuellestheater stets zu nichtlinearen Erzählformen, digitalen Medien und neuer Technik. Das Ergebnis sind Performance-Installationen für ein gutes Leben und eine bessere Zukunft.

Expert*innen:
Rebecca Kahn (Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft im Bereich Internet Policy and Governance)
Nico Nonne (VR Designer)

Oliver Proske
Oliver Proske, Bühnenbildner, studierte Industriedesign an der Hochschule für bildende Künste Hamburg bei Dieter Rams sowie an der Hochschule der Künste Berlin. Gemeinsam mit Nicola Hümpel gründete er 1998 das Berliner Theaterensemble Nico and the Navigators, für das er seither alle 21 Bühnenbilder entworfen hat. Oliver Proske ist zudem Geschäftsführer und Produzent der seit 2007 institutionell vom Berliner Senat geförderten Company und übernahm die Technische Leitung bei über 200 Gastspielen in mehr als 50 Städten weltweit. Er konzipierte die Ausstellung Dinge der Welt im Rahmen von Theater der Welt 2008 und die Klangkunst-Installation Cicadas 2012. Neben seiner Arbeit mit dem Ensemble vermittelt Oliver Proske seine Gestaltungsansätze sowie die kulturpolitische Arbeit seiner Kompanie in diversen Symposien.

Experte:
Thomas Ploentzke (Softwareentwickler)

Public Exchange

Die Ergebnisse wurden am 22. Februar 2017 im Rahmen eines Public Exchange präsentiert, und zwar an einem für diese Form der Zusammenarbeit passenden Ort: SPEKTRUM ist ein Raum der Konvergenz für kulturelle Gemeinschaften und transdisziplinäre Gruppen, die in und außerhalb Berlins entstehen. Ziel des Projektes ist es, Konfrontation, offenes Wissen und eine Plattform für die Idealisierung, Realisierung und Präsentation technologiebasierter Kunstwerke, forschungsorientierter Veranstaltungen und futuristischer Utopien, basierend auf dem Prinzip do-it-together-with-others, zu bringen. Die Fragestellungen und Ergebnisse zum Thema Kunst und digitaler Raum des ersten Labors der Digitalisierung wurden nicht nur präsentiert, sondern auch mit allen Anwesenden gemeinsam diskutiert, um so Know-How und Erfahrungen auszutauschen.

Real Bodies – True Emotions auf der re:publica 2017

Oliver Proske und virtuellestheater waren eingeladen, Teile ihrer Arbeit auf einem Panelformat unter dem Titel Real Bodies – True Emotions auf der re:publica 2017 vorzustellen, das in Vorbereitung auf die Performersion 2018 stattfand. Die Performersion ist eine Kooperation zwischen dem Performing Arts Programm Berlin und der re:publica und wird nach der erfolgreichen Edition 2016 in den Jahren 2018 und 2020 erneut stattfinden.


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Kontakt für Rückfragen:

Sabrina Apitz
beratung(at)pap-berlin.de